Ruhig Bleiben – kleine Auszeit im Alltag

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Da bin ich den ganzen Tag damit beschäftigt einen total quengeligen Eineinhalbjährigen zu bespaßen, der bei jeder Kleinigkeit anfängt einen Wutanfall zu bekommen. Angefangen bei der Banane, die ihm beim Essen leider abgebrochen ist, über einen Ball der die falsche Richtung eingeschlagen hat, bis hin dazu, dass ich nicht sofort alles stehen und liegen gelassen habe, weil er ausgerechnet heute nicht allein auf die Couch kommt. Alternativ weint er, weil er sich verletzt hat oder mal wieder erschrocken ist. Dazu reicht es schon aus, dass er eine Küchentür aufgemacht hat. Ich weiß nicht ob er über die Tatsache das er die Tür geöffnet hat, wohlgemerkt nicht zum ersten Mal, so überrascht war oder ob er sich doch verletzt hat, jedenfalls führte es zu einer viertelstündigen Heulattacke.

Es sind Tage, da weiß man nicht was dem kleinen Wesen das man gerade tröstend im Arm hält fehlt, man weiß nur eins: heute ist kein guter Tag. An was es liegt ist oft nicht klar. Brüten sie die nächste Krankheit aus oder wachsen sie mal wieder über Nacht. Im Grunde ist es auch völlig gleich. Man muss versuchen den Tag zu überstehen.

Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Gerade wenn der Bär genau einen solchen Tag hat. Am Freitag konnte ich machen was ich wollte, alles war falsch. Das einzige was zumindest zeitweise half war stundenlanges durch die Gegend tragen. Kein Problem für all die Tragemamis deren Kleinkinder immer noch schön brav in Froschposition in der Trage sitzen und sich spazieren tragen lassen. Tja… so eine Mama wollte ich auch immer sein. Doch habe ich die Rechnung ohne meinen Sohn gemacht. Seitdem er laufen kann mag er die Trage nicht mehr. Wobei das trifft es nicht ganz. Er hasst sie. Sobald ich unseren geliebten Kokadi Flip rausnehme rennt wer weg. Leg ich die Trage an und hol mir den Bären brüllt er. Also nehme ich ihn doch wieder auf den Arm und das obwohl ich eigentlich wegen Sehnenscheidenentzündung in beiden Armen krankgeschrieben bin. Bei über 13 kg Körpergewicht beschleunigt das nicht gerade die Genesung. Aber was will ich machen. Ich bin die Mama, ich muss ran.

Nachdem ich den ganzen Tag ein nicht schlafendes, nicht spielendes und nicht essen wollendes Kind mit schmerzenden Armen durch die Gegend getragen und bei jeder Klitzekleinigkeit getröstet habe kommt mein Freund nach Hause.

Was macht mein Sohn? Er schaltet um. Plötzlich tut ihm nichts mehr weh, er möchte spielen und toben und freut sich, dass sein Papa daheim ist. Der eigentlich verständnisvolle Papa sieht seinen gut gelaunten Jungen und kann beim besten Willen nicht verstehen, weshalb ich so fertig bin. Natürlich bin ich dann diejenige, die mal wieder übertreibt und darf mir anhören ich soll doch einfach mal „ruhig bleiben“.

Bei dem Satz könnte ich mittlerweile richtig ausrasten. Einfach mal ruhig bleiben. Tief durchatmen. Ja klar, er saß auch den ganzen Tag gemütlich im Büro und durfte Erwachsenenprobleme lösen, während ich alles Mögliche versucht habe um die Laune unseres Kindes ein bisschen zu verbessern. Klar das ist auch anstrengend, aber Erwachsene brüllen wenigstens nicht los wenn man ihren Lieblingshasen nicht sofort finden kann.
In dem Moment, wenn er sagt ich soll ruhig bleiben, weiß ich (mittlerweile) was ich tun sollte. Ich brauch dringend eine Pause. Fünf Minuten nur für mich allein. Der Papa ist da, ich kann meinen Bären getrost kurz abgeben. Das Abendessen kann auch in ein paar Minuten noch gekocht werden. Ein Bisschen Zeit in der ich einfach durchatmen und zurück zu mir finden kann, während ich niemandem außer mir selbst etwas recht machen muss. Ich geh am besten in ein anderes Zimmer oder noch besser an die frische Luft. Dort kann ich Kraft sammeln und mich zumindest etwas von so einem stressigen Tag erholen. Wenn ich anschließend zurückgehe merke ich richtig wie turbulent es den ganzen Tag war, aber die Kraft die ich in den fünf Minuten gesammelt habe und die Genugtuung, dass der Bär gerade auch bei Papa einen Wutanfall hat, hilft mir auch den Abend zu überstehen.

Und ja, du hast richtig gelesen. Ich weiß das ich das tun sollte. Das heißt ich tue es beileibe nicht jedes Mal, wenn es angebracht wäre. Oft bin ich so in mein Tun vertieft, dass ich gar nicht stehenbleiben, gar nicht zur Ruhe kommen kann. Ich muss einfach weitermachen. Denn natürlich muss ich während ich auf dem einen Arm mein quengelndes Kind schaukle mit dem anderen das Abendessen herrichten. Denn klar will auch ich die Supermutti sein, obwohl ich weiß das ich die weder sein kann, noch das es sie wirklich gibt. Und selbst eine Supermama braucht mal eine Auszeit.

© Sandra

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